Impressionen von der Vernissage

Sonntag, 9. Juni 2013, 17.00 Uhr
Einführung: Karin Weber, Kunstwissenschaftlerin
Musik:
Uwe Donat

Laudatio von Karin Weber

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

Augen, Sterne, Gewitterblitze und Perlen funkeln uns entgegen.

Der Titel der Ausstellung „Gefunkel“ klingt wie ein Versprechen, einem Leuchten folgen zu können, um schließlich einen Schatz zu finden in diesem wandelbaren Blau von samtenem Schwarz bis schillerndem Türkis, in dem die figürlichen Eingebungen von Gudrun Trendafilov eingebettet sind.

Mit Stift und Blatt, Farbe und Leinwand versinkt sie in eine andere Welt, die die äußere nicht missachtet. Diese ist ihr Gerüst, wie ihre Poesie Füllstoff ist und sie taucht in einen Zustand der Ort- und Zeitlosigkeit ein, um eins zu werden mit ihrer Bildwelt.

Die Künstlerin malt, wie man träumt. Man kann sich regelrecht vorstellen, wie sie sich in ihre Bildwelt hinein träumt, sich treiben lässt von äußeren und inneren Impulsen, denen sie Gestalt gibt, als Reisende zwischen Raum und Zeit.

„Pech mit dem Wetter“, auf diesem Bild regnet es tatsächlich Pech vom Himmel bei Gewitterstimmung am Meer, wo zwei nackte Schönheiten mit geflochtener Haarpracht, sich dem Ereignis zu erwehren haben.

Vor einem funkelndem Nachthimmel beäugt uns ernsthaft eine Frau, einer Norne gleich, die den roten Lebensfaden in den Haaren trägt. „Stille Post“ ein schwarzer Kater wandelt mit funkelnden Augen zwischen zwei Frauen auf verflochtenen Zöpfen hin und her.

 

Gudrun Trendafilov's Kunst lebt vom Finden und Erfinden, von der Freude, die Wirklichkeit spielerisch zu verwandeln. Es scheint so, als ob die äußere Welt an der ihren zuweilen mit einem Winken vorüber gezogen wäre, um die Zerbrechlichkeit und Entfaltung ihrer Personnage nicht zu stören.

Sie zeigt uns auch, wie brüchig die täglichen Wahrheiten sind und schenkt uns etwas Wunderbares: Stille und Poesie, die uns berühren, verwirren und unsere Sinne wecken, Unbekanntes wahrzunehmen, einfach nur zu meditieren, ohne Eile, ohne Zwang zur Deutung. Sprachlich kann man es kaum erfassen, was man zu sehen glaubt, eine Zuversicht in der Ungewissheit, vielleicht.

Die Arbeiten stiften eine in sich geschlossene, eigene, dauerhafte, nahezu ideale Realität, in der nicht Vernunft regiert, sondern im Gegenteil Innerlichkeit die Bildinhalte durchtränken.

Manchmal denke ich, Gudrun Trendafilov hat das Leben durchschaut und ein Maß an Tiefe erreicht, das den Betrachter mit suggestiver Kraft trifft. Man glaubt, dass das Wesen des Seins erfasst wird, wenngleich man nicht beschreiben könnte, was das ist, das Wesen, das Wesentliche. Es ist nur eine Ahnung, die die Ewigkeit berührt. Und diese Ahnung lässt mich manchmal erschauern, da ich spüre, was man immer wieder verdrängen möchte, dass man doch oft vor sich selbst auf der Flucht bleibt.

Alles ist der Zeit enthoben und  dem Raum gegeben. Schönheit ist hier Schicksal und die Ewigkeit scheint sich mit der irdischen Endlichkeit zu verschwistern. 

Eine Frau kauert wartend mit geschlossenen Augen neben einem Raben im Schutzraum ihrer Haarpracht, in den Händen einen Apfel haltend. Wird sie ihn teilen? Wird sie ihn alleine essen? Wird sie dann wissen, was wir nicht wissen? Wer weiß? Vielleicht morgen...

Es sind Bilder, denen wir hier begegnen, die uns aus dem prosaischen, reglementierten Alltag entreißen und uns fühlen lassen, das was Gudrun Trendafilov eigentlich mit dem Wort „Gefunkel“ meint und was Joachim Ringelnatz in folgendes Versmaß faßte:

„... mich lockt ein fernstes Gefunkel, mich lockt ein raunendes Dunkel, ins nebelhafte Vielleicht...“

Der Blick wird angezogen, ja geschärft, durch eine verwirrende Vertrautheit mit dem Intimen. Die Farbe durchläuft eine Tonleiter wohl abgewogener Intervalle, die sich wie Teile einer lebendigen Empfindung behaupten. Das ist Malerei. Nicht die Linie wird mehr mit Farbe gesättigt auf den Leinwänden, nicht aus dem Tuschfleck heraus entwickelt Gudrun Trendafilov ihre Kompositionen, es handelt sich nicht mehr um Farbflächen, sondern um Farbräume, in denen die Figurationen sich dem Ungewissen fügen.

Gudrun Trendafilov entwirft auch eine Lichtatmosphäre, die geheimnisvoll ist, da die Lichtquelle nicht erkennbar ist.

Man denkt zuweilen an Kerzenlicht, an den Widerschein einer Gaslaterne. Es ist eine Atmosphäre, die die Natürlichkeit der Handlungen unterstreicht, die mit ihnen entsteht. Der Raum ist die Geschichte, in der Farben leben und Farbtöne miteinander spielen, sich an Körper schmiegen und diese ausformulieren.

Das für sich lebende, glühende Blau drückt besser als jegliche Physiognomie, die Hingabe an Träume aus, die im Bild zu Realitäten werden.

Die Malereien von Gudrun Trendafilov sind klarer und entschiedener geworden. Das Neue erscheint mir aber wiederum wie eine Kondensation des Früheren.

Neben der Farbe ist Gudrun Trendafilov  vor allem der Zeichnung vepflichtet. Sie dient der Linie. Die Vollkommenheit der Zeichnung berauscht zuweilen. Sie zeichnet einen Hauch von Wahrnehmung und in dieser Zartheit scheint all das vereint, was je die Kunst der Linie auszeichnete. Sie ist tief empfunden im Zwielicht zwischen Heute und Morgen.

Viele Algrafien druckt sie auch auf Seidenpapiere, diese werden dann zerschnitten und in neuen Zusammenhängen collagiert, überzeichnet und übermalt.

Angesichts der Arbeiten von Gudrun Trendafilov wird das aus dem Sprachschatz verloren geglaubte Wort Demut wieder mit Leben erfüllt.

 

Karin Weber

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