Während der Ausstellung ist eine Vorzugsgrafik in limitierter Auflage (Radierung) erhältlich.

 

Michael Klose sagt: Musik ist Pause, Literatur ist das, was zwischen den Zeilen steht, Kunst ist das, was man nicht sehen kann.

Der Künstler zeigt mit seinen realistischen Wald- und Gebirgsdarstellungen, was außerhalb unserer Sinnenwahrnehmung liegt. Wir müssen unzweifelhaft anerkennen, nicht nur, daß wir nicht allein sind, obwohl wir uns manchmal so fühlen mögen, sondern daß jemand über uns steht, dem wir, nicht umgekehrt, Rechenschaft schulden. Mit ihm können wir in Dialog treten, der unser Tun bestimmt; wir müssen anerkennen, daß wir nur Teil des Ganzen, nur Teil der Natur sind, beileibe nicht deren Herrscher.


Michael G. Fritz zur Ausstellungseröffnung am 15.05.2019
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Impressionen von der Vernissage

Sonntag, 05. Mai 2019

Laudatio: Michael G. Fritz, Schriftsteller
Musik: Paul Hoorn, Piano

Rede von Michael G. Fritz Ausstellungseröffnung am 5.5.2019

 

Guten Tag, meine sehr verehrten Damen und Herren,
liebe Freunde der Galerie art & form,
lieber Remo Dudek,
liebe Sybille Nütt!

 

Es ist mir ein großes Vergnügen, Sie zur Eröffnung der Ausstellung von Michael Klose in den Räumen dieser wunderbaren, ebenso quicklebendigen wie originellen Galerie zu begrüßen.

Herzlich willkommen!

 

„Wasser. Farbe. Licht“ – so der Titel, der Transparenz suggeriert, Luzidität, Erkenntnis – eine Ausstellung gerade richtig für den Maianfang, da nach dem Winter mehr Licht im Land aufscheint und vieles in einem anderen Licht erscheinen mag.

 

Einen großen Anteil des malerischen Schaffens von Michael Klose nehmen Darstellungen des Waldes ein.

In dieser Ausstellung ist er mit mehreren beeindruckenden Bildern vertreten. Es sind dunkelraunende, tiefrot und blau leuchtende Wälder mit schwarzen und feuerroten Stämmen, Wälder, in denen der Nebel steht und das Licht beginnt sich Bahn zu brechen. Hervorzuheben sind besonders die Bilder „Hochwald“, „Großer Wald“ und „Baumstamm“. Oder es sind Wälder in der Mittagszeit, lichtdurchflutet und warm, nach Harz und Laub und Sommer riechend.

Ein anderes bedeutendes Thema berührt die Darstellung des Gebirges, besonders der Gletscher, bei denen die Linien des Horizonts verwischen, ein kaltes Blau in Weiß übergeht. Mit scheinbar unaufwendigen, schwungvollen Pinselstrichen konzentriert sich der Maler auf das Wesentliche - der Betrachter wird unmittelbar von den Elementen Berg und Eis und Himmel erfaßt, die jedoch nicht gewaltig wirken, sondern vielmehr ein poetisches Narrativ bedienen. Zwei großformatige Arbeiten sind in dieser Ausstellung zu finden.

 

Die Wälder und Gletscher - es sind allenthalben Bilder von leise staunender Verhaltenheit, zeitlosem Gleichklang, der als etwas Kostbares empfunden wird im Getöse unserer Tage, das, an Oberflächlichkeit nicht zu überbieten, nur Schwarz und Weiß zu kennen scheint. Michael Klose beweist, daß Kunst vermag, das Alltägliche hinter sich zu lassen, um sich bedeutenden Themen zuzuwenden. Natürlich sucht man sich als Künstler – Schriftsteller eingeschlossen – seine Themen nicht aus. Es ist umgekehrt: Sie suchen einen. Man hat im Grunde keine Wahl.

Mit eindrucksvoller Gelassenheit zeigt Klose Momente der Stille, Momente des Innehaltens, in denen wir ganz auf uns selbst zurückgeworfen werden und gezwungen sind, uns mit uns selbst auseinandersetzen. Halten wir diese Stille aus, die schon in den Ohren dröhnt? Was macht sie aus uns? Wer sind wir, werden wir dadurch anders, werden wir andere?

 

Bei dem großen, 2007 verstorbenen Wolfgang Hilbig heißt es im Gedicht Pro domo et mundo wie folgt:

 

Nun wird es dunkel. Du mußt anders werden

Die Wasser fließen schneller und ihr kalter Dunst gerinnt

Ein schwarzer Tag entsteigt dem tiefer blauen Meer –

Und nichts mehr zählen die noch glücklich Heimgekehrten

Jetzt zählen die schon lang vergessen und verloren sind.

 

Und Ströme schießen wie von anderen Gestaden her

Aus Felsenwelten ausgebrannt doch nie berührt von Sonnen

Es ist ein Fluten das sich nicht mehr wendet:

Der Urwelten Anfahrt hat begonnen.

 

Nun fällt die Nacht: die Zeit die dauernd endet

Und dir gebrichts am Wort mit dem du ferner handelst

Was gestern licht und wert war ist verschwendet –

Und es ist Nacht und Zeit daß du dich wandelst.

 

Klose sagt in der ihm eigenen, so sympathischen Bescheidenheit: Musik ist Pause, Literatur ist das, was zwischen den Zeilen steht, Kunst ist das, was man nicht sehen kann.

Der Künstler zeigt mit seinen realistischen Wald- und Gebirgsdarstellungen, was außerhalb unserer Sinnenwahrnehmung liegt. Wir müssen unzweifelhaft anerkennen, nicht nur, daß wir nicht allein sind, obwohl wir uns manchmal so fühlen mögen, sondern daß jemand über uns steht, dem wir, nicht umgekehrt, Rechenschaft schulden. Mit ihm können wir in Dialog treten, der unser Tun bestimmt; wir müssen anerkennen, daß wir nur Teil des Ganzen, nur Teil der Natur sind, beileibe nicht deren Herrscher.

Wir verdanken Michael Klose, daß er uns daran auf ebenso sanfte wie unprätentiöse Art erinnert.

Nicht sein Gebirge, das ist in Südtirol, seinen Wald findet er in der unmittelbaren Dresdner Umgebung, in der Heide, in der Sächsischen Schweiz, wobei der Ort, bei dem, was er zeigen will, im Grunde unerheblich ist. Die kleineren Formate malt er vor der Natur. Er braucht keine Fotografie, er nimmt den optischen Eindruck mit ins Atelier, wo die großen Bilder entstehen.

Seine bildkünstlerische Arbeit begann mit der Technik des  Aquarellierens. Er arbeitet heute auch mit Tusche und mit Säure, mit Kohle, wäscht und übermalt, malt mit Acryl auf Leinwand. Er ist erfindungsreich, experimentiert viel mit Techniken, probiert sie aus, jedes Bild stellt eine neue  Herausforderung dar.

Aber begonnen, begonnen hat er mit dem Aquarellieren.

Schon früh hat er sich mit Kunst beschäftigt, als Kind besuchte er den Pionierklub (ein Begriff, zu dem er sich durchaus bekennt), eine damalige kunstpädagogische Einrichtung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, in jeder Woche ein Mal wurde er mit bildender Kunst vertraut gemacht, später übernahm der hauseigene Jugendklub diese Aufgabe. Im Alter von 14 Jahren begann er im Zeichenzirkel mit der Kunst des Aquarellierens, später entstanden dort auch Holzschnitte und Radierungen. Der Leiter dieses Zeichenzirkels war der Dresdner Maler Manfred Schubert. Klose hatte Glück: Als er bei der Armee war und zwar in Rostock, konnte er in festen Abständen (wieder ein Mal in der Woche) zum Zeichnen in die Kunsthalle gehen. Bis 1989 studierte er Architektur an der TU Dresden, hatte später sein eigenes Architekturbüro, in dem er sich vor allem mit denkmalspflegerischen Aufgaben beschäftigte.

 

Die Frage, die sich stellt, ist doch: Wie behält man trotz der immensen beruflichen Beanspruchungen seine kreativ-intellektuellen Gewohnheiten bei. Es wäre ein leichtes gewesen, das Malen beiseitezulegen, sich zu trösten mit der Floskel einstweilen und sich nur noch mit dem zu beschäftigen, womit man im eigentlichen Sinne sein Geld verdient. Aber nicht Michael Klose, der unbedingt an seiner künstlerischen Arbeit festhalten mußte. Die Kunst verlangt uneingeschränktes Wollen, geschenkt bekommt sie nicht. Mittags verließ er sein Architekturbüro für einige Stunden, um in seinem Atelier zu malen, das er in Arnsdorf hatte, später in Dresden Kaitz, dann in der Neustadt. In seinem Büro saß er anschließend bis weit in die Nacht.

So, Woche für Woche, Jahr für Jahr, entsteht ein bildkünstlerisches Werk von Rang. Es entsteht einfach deshalb, weil der Künstler es tun muß. Eine andere Erklärung gibt es nicht.

 

Man ist geneigt, gestatten Sie mir als Schriftsteller an Kafka zu erinnern, dessen Werk, man muß es so sagen, nach Feierabend entstand. In den Nachtstunden, die er seinem Arbeitstag als Versicherungsjurist abrang, wenn in der elterlichen Wohnung alles schlief, brachte er seine Dichtung, gleichsam schlafwandlerisch, wenn auch stockend, zu Papier.

Tagsüber schrieb er Jahresberichte, die er auf Grund von Vorlagen und Akten über die Unfallversicherung der Arbeiter in den böhmischen Handwerks- und Industriebetrieben in die Maschine diktierte und von seinen Vorgesetzten unterschreiben ließ. Welchen Einfluß hat die Tagesarbeit auf seine Dichtung gehabt? Freischaffend zu werden, nur von seiner Literatur zu leben, daran war nicht im entferntesten zu denken.  

Anders Michael Klose, der vor drei Jahren den Entschluß faßte, sein Architekturbüro aufzugeben und nur noch zu malen, weil der Spagat zwischen Kunst und Broterwerb zu viel Kraft gekostet hat und spontanes Arbeiten kaum möglich war. Die Strahlkraft des aufgegebenen Architekturbüros jedoch ist noch längst nicht vorbei. Das Büro ist wie ein Dampfer, einmal in Fahrt, sagt Klose, ist er nicht so ohne weiteres anzuhalten.

Es fordert immer noch geistige Energie.

Aber endlich kann sich der Künstler, wann immer er will, in die Räume seines Ateliers nun in der Johannstadt zurückziehen, das in einem alten, mehrstöckigen Backsteingebäude  untergebracht ist, das früher zur Schokoladenfabrik Bruno Clauß gehörte, wo er 1923 die Blockschokolade erfunden haben soll. Das Grundstück verströmt noch den Charme der verblichenen DDR, die Umgebung ist neben Brachflächen mit Plattenbauten aus eben dieser Zeit zugestellt: WBS 70, wenn ich nicht irre. Das Backsteingebäude jedoch vermittelt einen tiefen Eindruck davon, wie die Gegend bis 1945 ausgesehen haben mag. Es ist das einzige Haus weit und breit, das das ebenso unselige wie sinnlose Bombardement der Stadt überstanden hat. Was für ein merkwürdiges, des Merkens würdiges Gefühl für den Maler wie für den ehemaligen denkmalpflegerischen Architekten, von dem er so schnell nicht fortkommt, sich in den Mauern dieses Gebäudes aufzuhalten und zu arbeiten.

Und so beschäftigt sich Michael Klose neben dem Thema Wald und Gebirge vor allem mit Stadtlandschaften, auch mit der Ostsee, die ihn, möglicherweise durch seinen erzwungenen Aufenthalt in Rostock beeinflußt, immer wieder anzieht. Besonders häufig hält er sich auf Rügen und Fischland, in Ahrenshoop auf.

Der Maler ist Dresdner, Jahrgang 1963, er findet oft seine Motive hierorts, der fein geschwungene, anmutige Elbbogen fasziniert ihn wie die heitere Elblandschaft, die ihresgleichen in der Welt sucht, genauso wie die Stadt Dresden.

Ich als Auswärtiger, als Berliner, der allerdings schon sehr lange auch hier lebt, darf das ohne rot zu werden sagen: Dresden war und ist immer etwas Besonderes, man denke nur an das Trauma Dresden und an deren öffentliche Wahrnehmung. Und die Stadt ist noch dann besonders, selbst wenn sie sich Entscheidungen leistet, die sie zu Allerweltstädten macht. Nehmen Sie es, meine Damen und Herren, als Hommage an diese Stadt: Ich bin immer wieder beeindruckt und staune, wie vielgestaltig und facettenreich sie sich geben kann.

Es versteht sich von selbst, daß die Geschichten dieser Stadt  nie zu Ende erzählt sind. Deshalb kann Michael Klose getrost Bilder von der Yenidze, vom Terrassenufer und der Augustusbrücke mit Hofkirche und italienischem Dörfchen und Semperoper malen. Die sehr schöne Radierung „Anlegestellen“ als Vorzugsgrafik mag als pars pro toto gelten, als geradezu klassischer Blick auf Dresden, der sich niemals abnutzen wird.

Ein anderes, übrigens gar nicht so häufig von bildenden Künstlern gewähltes Dresden-Motiv ist das Blaue Wunder, hier mit zwei Arbeiten vertreten, einmal als Mischtechnik, das andere als Aquarell und Kohle, beide auf Leinwand, beide in diesem Jahr entstanden. Wenn der Maler von seinem Haus in Arnsdorf in sein Atelier fährt, überquert er zwangsläufig Dresdens schönste Brücke. Zu jeder Tages- und Nachtzeit, in jeder Jahreszeit bietet sich Michael Klose ein anderer Eindruck. Oft genug ist er so überwältigend, daß er festgehalten werden muß – ein Thema, mit dem er sich seit 1998 beschäftigt. Was auffällt, ist die gedämpfte Musikalität seiner Rot- und Grautöne, die in vielen Abstufungen von hell zu dunkel zu erleben sind, die verschiedenen Blautöne als rhythmisch eingesetzte Farbakkorde.

 

Meine Damen und Herren, es sind bewegende Bilder, die Sie dazu anregen mögen, vor ihnen still zu verharren und genau das zu beobachten, von dem Sie meinen, es schon so oft gesehen zu haben, daß Sie es genau kennen. Sie kennen es nicht! Sie werden im scheinbar Gewohnten stets Neues entdecken, das Sie überraschen wird.

 

Ich wünsche uns Betrachtern, daß wir Michael Kloses Anregungen dazu aufnehmen.

Ich wünsche der Ausstellung „Wasser. Farbe. Licht“ großen Erfolg.

Und nicht zuletzt wünsche ich der Galerie art & form viel Glück, was sonst!

 

Vielen Dank!

Michael G. Fritz, 5.5.2019

 

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