Impressionen von der Vernissage

Sonntag, 22. April 2018

Sehnsucht nach Wärme Gudrun Trendafilov bei art+form

Text von Heinz Weißflog

Gudrun Trendafilovs künstlerisches Markenzeichen sind das menschliche Miteinander, die vielfältigen Beziehungen und Affekte zwischen den Menschen. Dies wird auf innige und Anteil nehmende Weise in Malerei und Grafik umgesetzt. Ihre tiefe Zuneigung zur Spezies aber auch ihre Zweifel drücken sich in berührenden Kompositionen aus, in Gesichtern, die einander zuneigen, in kommunizierender Gestik und einer das Seelische ausdrückenden Physiognomie. Positive und negative Lebenskräfte bebildert sie in empathischen Figurationen. Bei art+form sind nun 49 neuere Arbeiten (seit 2015), Mischtechniken, Algrafien, Siebdrucke und Tusche/Kreide-Zeichnungen zu sehen, die unter dem Titel "Vielleicht" Figuratives, Köpfe und Körper in intensiver Verquickung darstellen.

Für die Künstlerin ist in ihrer Malerei eine subtile, oft zart geschwungene Linie charakteristisch, über die die Farbe sacht quillt und wolkig den Bildraum erfüllt. Orangetöne und ein tiefes Blau sind die dabei die bevorzugten Farben, manchmal aufgehellt durch grellgelbe Lichter ("Abendstern"), selten warme, kirschrote und rötlich-braune Farbnuancen. Dämonisches und Harmonisches sind auf ihren Bildern zu einer Comedie Humaine vereint. Die Malerei "Hexentanz", die sie über 20 Jahre beschäftigte, bildet dabei einen Blickfang der Ausstellung, eine Mischtechnik/Collage auf Leinwand, die durch ihre grelle Farbe, dem roten Lebensband und den dunklen Schemen der Schamaninnen gekennzeichnet ist. Ausgehend von diesem Bild ergibt sich die Bandbreite von Gefühlen und seelischen Erfahrungen über Symbolisches und Allegorisches, raffinierten Kompositionen ("Beere", "Kirsche", Algrafie), wie das Paar, dessen Münder durch eine Beere vereint sind. 6 Tuschezeichnungen aus der Serie "EROS" (o.T.) thematisieren die Beglückungen und die Not, die aus der Körperliebe erwachsen. Mit viel Esprit und Witz hat Gudrun Trendafilov die Spiele der Körper gezeigt, die in der Tuschezeichnung besonders direkt und elementar herübergebracht wurden. Tiefschwarze Flächenstücke geben den Arbeiten Ursprünglichkeit und Kraft, aber auch etwas Provisorisches, dem Zufall geschuldetes Äußeres. Neben der Körperliebe drückt sich in vielen Arbeiten eine große Sehnsucht nach Wärme aus, Fragen werden gestellt, Zusammenhänge deutlich, Enttäuschungen sichtbar gemacht.

Ein schönes Bild stellt sich ein: In der Mischtechnik "Zwei" sitzt eine Eule auf dem Kopf einer Frau, als ob sie ihr Geheimnis hüte und schutzsuchend im Nimbus ihr Alter Ego verberge. "Kassandra" inmitten von hellen, fein verschwimmenden, eisigen Schwaden aus Farbe ganz in Blau getaucht, scheint ihre Weissagung in den Bildraum zu hauchen. Trendafilovs Seelenbilder erzählen von den Wünschen der Frau in ihr; immer mischt sich das Eigene in ihnen mit dem Allgemeinen, die Nöte der Welt, die ihr Angst und Bange machen.